Pflanzenporträts - Wissenswertes zu Pflanzen

Kübelpflanze: Areca-, Betelpalme

Die eigentliche Heimat dieser Kulturpflanze (Areca catechu) ist gar nicht mehr
feststellbar. Man findet sie heute von Pakistan durch SO-Asien bis zu den Pazifischen Inseln, auch in Afrika. Dort wächst diese langsamwüchsige, im Alter aber bis 30 m hohe Palme fast in jedem Dorf. Der Grund ist ein im Samen enthaltenes Alkaloid, ein Nicotin-Abkömmling, der belebend wirkt, ähnlich Kaffee. Das Betel-Kauen ist deshalb weit verbreitet. Weitere positive Effekte sind die Kräftigung des Zahnfleischs und das Abtöten von Eingeweide-Würmern. Dabei werden das Zahnfleisch rot und die Zähne schwarz gefärbt.

 

Die Kulturansprüche der Betelpalme sind verhältnismäßig hoch. Erst in den
letzten Jahrzehnten ist sie daher als Kübelpflanze in den Blickpunkt gerückt; frische Sämlinge sind verhältnismäßig billig und sehen hübsch aus. Bei so einem Preis spielt die Lebensdauer keine große Rolle mehr. Und es besteht kaum Gefahr, dass die Pflanze an die Zimmer-oder Wintergartendecke stößt.

 

DIE PFLANZE: Die schlankstämmige Solitärpalme zeigt in der Jugend einen grünen und im Alter einen grauen Stamm. Die Wedelkrone besteht aus steifen, aber überneigenden, 1,50 bis 2 m lange Fiederblättern. Die Fiedern stehen dicht beisammen. Zur Blüte wird die Pflanze bei uns wohl kaum kommen, aber sie ist als Grünpflanze durchaus dekorativ.

Sehr ähnlich ist Chrysalidocarpus lutescens (früher Areca flavescens), mit eleganten, bogig überhängenden Fiederblättern. Die Pflege ist praktisch identisch mit der Areca-Palme, und als solche findet sie sich auch meist fälschlich im Angebot.

 

PFLEGE UND VERWENDUNG: Die Pflanze liebt es hell, pralle Sonne dagegen weniger, und auch im Winter Temperaturen nicht unter 20 °C. Das Substrat sollte etwas anlehmig sein bei einem pH-Wert um die 6. Die Erde muss stets feucht gehalten werden; nicht nur deshalb ist Wasser im Untersetzer empfehlenswert, denn es trägt auch zu hoher Luftfeuchtigkeit bei. Ersatzweise kann man öfter besprühen.

Vom Frühjahr bis zum Herbst setzt man dem Gießwasser 14-tägig etwas Dünger bei. Junge Pflanzen wird man jährlich umtopfen, ältere nur bei stark verdichteter Erde. Eigenvermehrung lohnt nicht. Für eine längere Lebensdauer wäre eine Warmhaus-Situation erforderlich.

 

Dr. Fritz Köhlein

Zimmerpflanze: Guatemala-Rhabarber

Die Pflanze hat keinesfalls etwas mit unserem Rhabarber zu tun. Von einem kulinarischen Versuch ist gänzlich abzuraten, denn die Pflanze ist giftig. Heimat dieser sukkulenten Art, auch Flaschenpflanze (Jatropha podaqrica) genannt, ist Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Die Gattung umfasst etwa 170 Arten. Es handelt sich um ein Wolfsmilchgewächs
(Euphorbiaceae), das letztlich einfacher zu kultivieren ist als erwartet.

 

DIE PFLANZE: Der Guatemala-Rhabarber ist ein sukkulenter Strauch mit 40 bis
60 cm Höhe, in der Natur merklich höher. Auffallend ist der bei Jungpflanzen besonders ausgebildete, sukkulent-verdickte, flaschenförmige Stamm. Dieser ist zuerst eintriebig, bildet aber später an der Basis Seitentriebe. Im Alter kann man die Wuchsform oft auch als »unförmig buschig« bezeichnen. Die Rinde ist graugrün, die etwa 20 cm großen, langgestielten Blätter sind
drei- bis fünflappig und mittelgrün. Die geschlitzten und borstigen Nebenblätter werden oft während der winterlichen Ruhezeit abgeworfen. Der ausgebreitete Blütenstand wächst aufrecht und langgestielt, die kleinen Einzelblüten stehen dicht gedrängt. Die ausgebreiteten Kronblätter, Kelchblätter und Blütenstiele sind auffallend feuerrot gefärbt. Sie öffnen sich
während der winterlichen Ruhezeit, können aber auch ganzjährig erscheinen.

 

PFLEGE UND VERWENDUNG: Die Pflanze braucht einen hellen Stand, möchte

aber während der heißen Mittagszeit einen etwas geschützten Platz. Eigentlich liebt sie Temperaturen von 20 °C und darüber, verträgt im Winter aber auch 15 °C und noch etwas darunter. Als Substrat kann man normale Topfpflanzenerde verwenden, der man etwa ein Drittel Lavagrus oder gebrochenen Blähton beimischt. Während der Wachstumszeit wird ein
mild-feuchtes Substrat bevorzugt, im Winter aber muss es ziemlich trocken gehalten werden. Auch gedüngt wird sparsam, etwa alle drei Wochen gibt man dem Gießwasser etwas Kakteendünger bei.

Alle 1-2 Jahre sollte im Frühjahr oder Sommer umgepflanzt werden. Verzweigte Pflanzen lassen sich gut durch Stecklinge vermehren, die bei etwa 20 °C Bodentemperatur wurzeln. Auch Aussaat ist möglich, wobei der Same nicht zu alt sein darf. Die Keimung erfolgt bei 20-22 °C und guter Erdabdeckung (Dunkelkeimer!).

 

Dr. Fritz Kohlein

Ziergehölz: Zwergweiden

Von dieser Gattung sind etwa 500 verschiedene Baum- und Straucharten bekannt. Im Garten spielt die Weide aus Gründen der Wuchsgröße eine untergeordnete Rolle. Hier sollen drei attraktive Zwergweiden vorgestellt werden. Am besten lassen sich die dekorativen Gestalten in Verbindung mit Steinen verwenden, ob große oder kleine, Stein-, Heide- oder Troggärten oder Steinanlagen, oder auf die Krone einer etwas erhöhten Steinzeile entlang eines Weges pflanzen.

 

NETZ- ODER NETZBLATTWEIDE (Salix reticulata): Eine in der Natur weit verbreitete Art, zirkumpolar wachsend, aber auch in mittel- und südeuropäischen Gebirgen vorkommend. Dort wächst die Pflanze auf
nährstoffhaltigen Böden, meist auf Kalk. Die Pflanze wird etwa 10-20 cm hoch und bildet dichte Matten, die am Boden angedrückt wurzeln. Die derben dunkelgrünen Blätter sind rundlich eiförmig und 3-5 cm lang; besonders schmückend wirkt die hervortretende Nervatur. Im Juni/Juli nach der Laubentfaltung zeigen sich die 1-3 cm großen, aufrechten Kätzchen. Von den
etwa 30 niedrigen Weidenarten, die in den arktisch-alpinen Zonen Europas wachsen, gehört diese Art zu den hübschesten.

 

DIE KAUKASUS-ZWERGWEIDE (Salix apoda): Der Spalierstrauch wird 10-30 cm
hoch, hat bis 4 cm lange, stumpfe Blättchen. Die Kätzchen der männlichen Form werden 4 cm lang, die orangefarbene, rot überlaufene Staubgefäße besitzen; kleiner und hübscher sind die weiblichen.

 

BOYD' S WEIDE (Salix x boydii): Diese Kreuzung (Salix lapponum x

S. reticulata) wächst im Gegensatz zu den vorher genannten Arten steif aufrecht. Stamm und Zweige sind flaumig behaart. Die Blätter sind beiderseits weiß, oben später dunkelgrün und runzelig. Die Kätzchen werden 1-2 cm lang und besitzen einen behaarten Fruchtknoten. Von dieser Hybride ist nur
die weibliche Form bekannt. Die Pflanze wächst sehr langsam und blüht insgesamt spärlich. Sie gleicht einem dekorativen Bonsai; für diesen Zweck wird diese Weide auch manchmal verwendet.

 

PFLEGE: Weiden sind hinsichtlich des Bodens ziemlich anpassungsfähig. So gedeihen oft Arten, die in der Natur mehr in feuchtem Substrat vorkommen, im Garten gut in trockenen Trögen. Wichtig ist auf alle Fälle ein heller Stand.

 

Dr. Fritz Köhlein

Streuobstsorte: Paulsbirne

Kochbirnen bereicherten früher bevorzugt den einseitigen Speiseplan im Winterhalbjahr. Sie waren beliebt als Hauptgericht, zusammen mit Mehlspeisen serviert, oder auch als Dessertfrucht. Meist sind Kochbirnen eher großfrüchtig und es fehlt ihnen an Gerbsäure. Die genannten Merkmale
treffen auch auf die 'Paulsbirne' zu, die deshalb mit Fug und Recht zu dieser selten gewordenen Gruppe zu zählen ist.

 

HERKUNFT: Die genaue Herkunft der 'Paulsbirne' ist nicht bekannt; sie wurde
bereits von Metzger 1847 und Lucas 1854 erstmals beschrieben. Häufiger anzutreffen ist die Sorte heute noch in Nordbaden und im württembergischen Raum um Brackenheim, Besigheim und Weinsberg herum.

 

ANBAU: Für den Streuobstanbau ist diese Sorte empfehlenswert, weil der Baum eine große, landschaftsprägende Krone ausbildet und langlebig ist. Die 'Paulsbirne' ist wenig krankheitsanfällig und stellt keine großen Anforderungen an den Standort. Überdies bringt sie regelmäßig hohe Erträge.

 

FRUCHT: Die Frucht reift spät, ist mittelgroß und stumpf kegelförmig. Schale
mattgelb, sonnenseits hell- bis dunkelrot, feine, graubraune Schalenpunkte, leicht berostet.

Das Fruchtfleisch ist grünlich bis gelblich weiß, grob, sehr saftig, süß mit wenig
Säure. Aufgrund dieser Eigenschaften ist die Kochbirne auch zum Verzehr geeignet, obwohl es noch wohlschmeckendere Tafelbirnensorten gibt.

 

REIFE: Die Baumreife tritt Ende Oktober ein, die Genussreife ab Dezember bis Ende März.

 

Rolf Heinzelmann,

Landesverband für Obstbau, Garten und
Landschaft Baden-Württemberg e.V (LOGL)