Pflanzenporträts - Wissenswertes zu Pflanzen

Kräuter: Indianerminze

Diese Indianerminze (»indian mint«) bezeichnet man aufgrund ihrer langtriebigen Wuchsform auch als Hängeminze. Dadurch unterscheidet sie sich von den aufrecht wachsenden Stauden Agastache und Monarda (oder »Indianernessel«), die in deutscher Umgangssprache ebenfalls Indianerminze genannt werden, weil sie sich allesamt durch ein kräftiges Minze-Aroma auszeichnen. Der hier beschriebene Lippenblütler (Lamiaceae) gehörte früher
zur selben Gattung wie das Bohnenkraut (Satureja), wird aber heute unter dem Namen Micromeria douglasii (Syn. Clinopodium douglasii) einer eigenen Gattung zugerechnet. Er stammt ursprünglich aus Mittelamerika, wo er als Yerba buena (»gutes Kraut«) bekannt ist und unter anderem für Heilzwecke verwendet wurde.

 

BESCHREIBUNG: Die Pflanze ist bei uns nicht winterhart und wird nur etwa

15 cm hoch. Dafür bildet sie aber über 1,50 m lange Bodentriebe, die reizvoll über den Rand eines Gefäßes hängen können. Die rundlichen, am Rand gewellten Blätter verströmen ein frisches, intensives Spearmint-Aroma. Von Juni bis August erscheinen unscheinbare kleine, weiße Blüten, die ebenfalls duften.

 

ANBAU: Indianerminze gedeiht am besten auf frischem, aber durchlässigem
Gartenboden in sonniger Lage. Sie wird wegen ihrer langen Schleppen bevorzugt als Hängepflanze in Ampel oder Kübeln eingesetzt. Man sollte sie regelmäßig gießen, aber nicht vernässen lassen. In milden Lagen oder unter einer schützenden Abdeckung kann das Kraut eventuell überwintern. Sicher gelingt das bei 10-15 °C im Wintergarten. Ein Rückschnitt im Frühjahr und wiederholtes Entspitzen hält die Form kompakt. Die Vermehrung gelingt einfach mit Triebstecklingen.

 

ERNTE UND VERWENDUNG: Die aromatischen Blätter der wüchsigen Pflanze können während der gesamten Wachstumssaison gepflückt werden. Man kann sie gut als Würze zu Fleischgerichten und Gemüse verwenden. Die Indianer kannten ihre beruhigende Wirkung und wendeten sie sogar bei Verdauungsstörungen, Fieber und (Zahn-)Schmerzen an. Aufgrund des minzeartigen Wohlgeschmacks kann man die frischen oder getrockneten Blätter aber auch einfach mit heißem Wasser überbrühen, um einen
erfrischend-würzigen Tee zuzubereiten.


Robert Sulzberger

Bienenpflanze: Gewöhnliche Waldrebe

In der mitteleuropäischen Flora ist die Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba) neben dem Efeu die einzige verholzende Kletterpflanze. Sie zählt zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae). Die Herkunft der Waldrebe ist Europa, der Kaukasus und Nordafrika. Der Volksmund gab ihr Namen wie Judenstrick (kommt von Jute), Hagseil, Hexenstrang, Petersbart, Teufelszwirn oder Waldstrick. Weltweit gibt es etwa 300 Clematis-Arten. Bei den Pflanzen in unseren Gärten handelt es sich meist um Hybriden ostasiatischer Arten.

 

BESCHREIBUNG: Die Pflanze ist ein Linkswinder und Blattstielkletterer. Mit
ihren Lianen kann die Waldrebe bis zu 15 m hochranken. Die Blütezeit ist von Juni bis September. Die Blüten sind milchig weiß.

 

STANDORT: Die meisten Arten gedeihen in den gemäßigten Breiten und bevorzugen kalkhaltige, nährstoff- und humusreiche Böden. Bevorzugte Standorte sind Auwälder, Waldränder, Hecken oder Zäune.

 

ÖKOLOGISCHE BETRACHTUNG: Für zahlreiche Insekten ist die Gewöhnliche
Waldrebe ein bevorzugtes Biotop. Sie ist für etwa 30 verschiedene Schmetterlingsraupen eine wichtige Nahrungspflanze. Allein sieben Raupenarten ernähren sich ausschließlich (monophag) von ihren Blättern. In ihren dichten Ranken finden zudem Singvögel und kleinere Säuger einen sicheren Unterschlupf.

 

POLLEN- UND NEKTARBEDEUTUNG: Die Waldreben wachsen meist so üppig, dass viele Blüten vorhanden sind und Insekten wie Bienen dort gerne sammeln. Zwar liegen die Nektar- und Pollenwerte nur bei 2 auf einer Skala von 1 bis 4, aber der lange Blühzeitraum ist für Insekten sehr positiv. Die Pollenhöschenfarbe ist blassgelb.

 

HEILWIRKUNG: Die Waldrebe ist im rohen Zustand leicht giftig. Gekocht oder
getrocknet verliert sich die Giftigkeit. Dennoch sollte man die Pflanze sicherheitshalber nur äußerlich oder in homöopathischer Verdünnung anwenden. Äußerlich als Waschung oder Einreibung helfen abgekochte Wurzeln und Stängel gegen Juckreiz und Hautausschläge. Die homöopathischen Wirkungen zeigen sich bei Schmerzen, Juckreiz, Hautausschlag, Rheuma, Problemen der männlichen Harnorgane, Lymphgefäßentzündung u. a.


Ulrike Windsperger