Pflanzenporträts - Wissenswertes zu Pflanzen

Kräuter: Einjähriges Bohnenkraut

Im Garten finden zwei Arten dieses Lippenblütlers Verwendung: Das Einjährige Bohnenkraut (Satureja horiensts) sowie das Bergbohnenkraut 

S. montana), ein mehrjähriger Halbstrauch. Ihren Namen tragen sie, weil sie am besten zu Bohnen passen. Die einjährige Form hat das kräftigere Aroma und lässt sich besser in die Mischkulturen des Gemüsebeets integrieren.

 

BESCHREIBUNG: Die aufrechten, verzweigten Sprosse werden etwa 40 cm hoch und tragen schmale, nadelähnliche Blätter. Die unscheinbaren Blüten sitzen ab Juli in den Achseln der obersten Blätter und sind eine geschätzte Bienenweide.

 

ANBAU: Leichte, humose, kalkhaltige Böden in sonniger Lage sind optimal. Das
Bohnenkraut wird in der Regel von April (möglichst im Frühbeet oder unter Folie) bis Juni ausgesät. Unter Umständen lohnt sich auch eine geschützte Vorkultur ab März mit Auspflanzung im Mai. Da es sich um einen Lichtkeimer handelt, werden die Samen zwar gerne mit Sand vermischt, aber nicht mit Erde zugedeckt. Außerdem empfiehlt sich eine Mischkultur im Gemüsebeet, bevorzugt mit Bohnen oder auch mit Roten Beten. Andernfalls sind 25 cm Reihenabstand einzuhalten, zu dicht stehende Pflanzen werden ausgedünnt.

Eine Düngung schadet dem Aroma mehr als sie nützt. Auf sauren Böden kann
eine gelegentliche Gabe von (Algen-)Kalk nicht schaden. An zusagenden Standorten sät sich das Bohnenkraut auch selbst aus, sofern man die Samen ausreifen lässt.

 

ERNTE UND AUFBEWAHRUNG: Blätter und Triebspitzen können laufend geerntet werden. Abgeerntet werden die Pflanzen am besten, bevor sie in Blüte gehen oder auch noch währenddessen. Dann kann das Kraut gut getrocknet, aber auch in Öl eingelegt oder eingefroren werden. Bohnenkraut wird nicht nur zu Bohnen, sondern auch zu anderen deftigen Gemüse- oder
Fleischgerichten (Hammel!) verwendet.

 

INHALTSSTOFFE UND VERWENDUNG: Ätherische Öle, Gerb- und Bitterstoffe
ergänzen sich zu magenstärkenden und belebenden Eigenschaften. Die enge
Bindung zu den Bohnen verdankt es dem thymian-ähnlichen, pfefferartigen
Geschmack, aber auch der blähungstreibenden Wirkung. Der Tee kann auch
bei Husten eingenommen werden

 

Robert Sulzberger

Trendpflanze: Rose von Jericho

Bereits im 12. Jahrhundert haben Pilger aus dem heiligen Land ein wundersames Souvenir mitgenommen und sorgsam wie eine Reliquie aufbewahrt: Eine scheinbar seit vielen Jahren tote Pflanze, botanisch Anastatica hierochuntica, die einem Büschel total vertrockneten Reisigs gleicht, aber nach einem Regen zu lebendigem Grün erwacht. Kreuzfahrer brachten im 16. Jahrhundert eine Pflanze mit denselben Eigenschaften in die arabischen Länder, die noch größer und schöner war. Bei dem trockenen Knäuel, das bei uns käuflich ist, handelt es sich daher genau genommen
um die »unechte Rose von Jericho« (Selaginella lepidophylla) - eine  Wüstenpflanze ursprünglich aus den Gebieten Arizona und Texas, die zur Gruppe der schuppenförmigen Moosfarne gehört. Dennoch wird der »Auferstehungspflanze«, wie sie im Volksmund auch genannt wird, immer noch viel zugetraut: Wer im Besitz dieser Wunderpflanze ist, dem soll ewiges Glück und Gesundheit bis ins hohe Alter geschenkt werden. Aus diesem
Glauben heraus wurden die eingetrockneten Büschel oft über Generationen hinweg vererbt. Die Fähigkeit zum Überleben verdankt sie ihrer großen Anpassungsfähigkeit an Natur und Umwelt.

 

BESCHREIBUNG: Wenn die Pflanze selbst nach jahrzehntelanger Wasserabstinenz wieder ergrünt, sobald sie mit Wasser versorgt wird, reagieren keine Blätter, sondern nur grün gewordene Äste. Auch wenn sie der Sage nach so wertvoll wie eine Rose ist, hat sie weder Blüten noch Samen - sie vermehrt sich durch Sporen.

 

PFLEGE: Aus einem trockenen Gestrüpp die grüne Rose von Jericho zu zaubern ist einfach: Das unscheinbare Büschel wird anfangs kopfüber in eine Schüssel mit gut lauwarmem Wasser gelegt. Wenn sie nach einigen Stunden genügend aufgesogen hat, kann sie sich in einem geschlossenen
Folienbeutel weiter entfalten. Nach 8 bis 10 Stunden erstrahlt dieses Wunder in schönstem Grün. In einer Schale mit etwa 3 cm Wasser, ohne direkte Sonnenbestrahlung, kann sie nun bis zu zwei Wochen bestaunt werden. Regelmäßiges Besprühen ist förderlich. Nach dieser zweiwöchigen Periode möchte die Pflanze aber wieder in ihren trockenen Dauerschlaf von mindestens einem Jahr verfallen. In einem Leinensäckchen im Wäscheschrank aufbewahrt kann sie während der Ruhephase die Motten fernhalten.

 

Maurus Senn

Obstsorten: Scheinquitte 'Cido'

Die Scheinquitte (Chaenomeles japonica) ist ursprünglich in Japan beheimatet und wird gerne für niedrige Blütenhecken, Böschungen oder Steingärten verwendet. Die Sorte 'Cido' wurde 1951 in Lettland aus einem Sämling gezogen und zunächst unter dem Namen 'Krumcidonijas' in Kultur genommen. Die Früchte der Sorte 'Fusion' können ähnlich verwendet werden, sind aber etwa doppelt so groß wie 'Cido'.

 

BESCHREIBUNG: Der bis ca. 1 m hoch und breit werdende Strauch ist im Gegensatz zur Art (fast) dornenlos und gedeiht auch im Halbschatten noch gut. 'Cido' ist sehr frosthart und wächst üppig. Im März bis April erscheinen vor allem an den Kurztrieben des Altholzes orange-hellrote Blüten- Sie machen 'Cido' auch zu einem Ziergehölz, werden durch Insekten bestäubt
und gelten als gute Bienenweide.

 

PFLEGE: Am besten eignet sich ein sonniger, nährstoffreicher Platz. Auf kalkhaltigen Böden besteht bei der sonst sehr robusten Pflanzen die Gefahr von Chlorosen. Kalte und zur Vernässung neigende Böden sollten ebenfalls gemieden werden. Gelegentliches Entfernen alter Triebe an der Basis sorgt für eine Verjüngung. Dem Boden aufliegende Triebe wurzeln leicht und bilden im Laufe der Jahre ein unangenehmes Dickicht, in dem auch leicht andere Sämlinge keimen. Dieser unkontrollierten Ausbreitung sollte rechtzeitig vorgebeugt werden. Schädlinge und Krankheiten treten kaum auf. Die Anfälligkeit gegen Feuerbrand wird als mittel beschrieben. Frost und Sommertrockenheit werden gut vertragen.

 

FRUCHT: Die unterschiedlich ausgeformten, kleinen gelben, 40-80 g schweren Früchte reifen von September bis Oktober. Auch nach der Reife bleiben sie noch lange am Strauch und sorgen nach der Blüte für einen zweiten Höhepunkt als auffallende »Winterdeko«.

 

VERWERTUNG: Die Frucht ist sehr Vitamin-C-haltig (ca. 100 mg/100 g), was
ihr den Namen »Zitrone des Nordens« eingebracht hat. Der Zuckergehalt beträgt ca. 2-3 Prozent. Die Früchte können zu Gelee, Likör, Sirup oder Saft weiterverarbeitet werden und sind auch ideal als Mischkomponente zu säurearmen Fruchtarten oder als einfache, aromatisierende Zugabe beim
Keltern von späteren Apfelsorten.

 

Thomas Neder

Bienenpflanze: Gewöhnlicher Faulbaum

Der Gewöhnliche Faulbaum (Frangula ainus, syn. Rhamnus frangula) ist ein
Kreuzdorngewächs (Rhamnaceae), dessen Herkunft in Europa, West- und Nordasien liegt. Faulbaum heißt er, da seine Rinde einen leicht fauligen Geruch hat. Der Gattungsname Frangula (lat.frangere = »brechen«) verweist auf das brüchige Holz.

 

BESCHREIBUNG: Der mehr stämmige, unregelmäßig verzweigte Strauch wird
meist ca. 3 m hoch, er kann sich aber auch als Baum bis zu 8 m Höhe entwickeln. Im Gegensatz zum Kreuzdorn trägt er keine Dornen. Die breit eiförmigen Blätter mit 6-9 Seitennerven ähneln denen der Schwarzerle (Ainus). Die Blütezeit reicht von Mitte Mai bis Juli, mitunter bis in den September. Die Früchte changieren von grün über rot zu schwarz. Beeren, Blätter und frische Rinde sind giftig.

 

WUCHS: Der Faulbaum bevorzugt feuchte Stellen und wächst gerne im

Unterholz von lichten Au- und Laubwäldem, in Gebüschen und Mooren. In den
Alpen kann man ihn bis zu 1.400 m Höhe finden. Die Sträucher werden bis zu 60 Jahre alt. Sie werden gerne in naturnahen Hecken gepflanzt und bedürfen keiner Sonderbehandlung. Die Vermehrung erfolgt überwiegend vegetativ durch Stockausschläge und Wurzelbrut.

 

POLLEN- UND NEKTARBEDEUTUNG: Der Faulbaum ist eines der wenigen Gehölze mit langer Trachtzeit - vor allem zu einem Zeitpunkt, zu dem er große Trachtlücken füllt. Noch eine Besonderheit: Normalerweise befindet sich nur am Blütenboden Nektar, so dass ihn die Insekten nur schwer erreichen können, aber die Bestäubung gesichert ist. Die unauffälligen Blüten des Faulbaums aber geben an ihrer gesamten Innenseite Nektar ab. Der Nektargehalt beträgt 3, der Pollenwert 2 auf einer Skala von 1 bis 4. Der Zuckergehalt des Nektars liegt zwischen 15 und 58 %, der Honigertrag zwischen 35 und 80 kg pro Hektar. Die Pollenfarbe ist gelblich-weiß.

 

ÖKOLOGISCHE BEDEUTUNG: Für die Schmetterlingsraupen des Faulbaumbläulings, des Zitronenfalters oder des Brombeerzipfelfalters ist er die wichtigste Nahrungsquelle. Die Früchte sind auch für Vögel eine wichtige Futterpflanze. Wacholder- und Misteldrosseln fressen die Früchte und sorgen dadurch für die Verbreitung.


Ulrike Windsperger