Pflanzenporträts - Wissenswertes zu Pflanzen

Kräuter: Winterportulak

(Winterportulak lässt sich ganzjährig kultivieren und frisch ernten. Wenn der jeweilige Schnitt nicht zu tief erfolgt, treiben die Laubhorste mehrfach wieder aus.)

 

Das knackige Salatkraut (Montia perfoliata, Syn. Claytonia) für das Winterhalbjahr wird auch als Winterpostelein, Kubaspinat oder Tellerkraut bezeichnet. Es ist ursprünglich in Nordamerika zuhause und wurde früher der Familie der Portulakgewächse zugeordnet, heute aber den Quellkrautgewächsen (Montiaceae).

 

BESCHREIBUNG: Das kurzlebige Kraut bildet 10-25 cm hohe, bodenständige
Rosetten aus herzförmigen, fleischigen Blättern. Die zierlichen weißen Blüten
zeigen sich erst ab April/Mai des zweiten Jahres auf den (dann rund erscheinenden) Blättern.

 

ANBAU: Optimal ist ein frischer, humoser Boden in sonniger bis halbschattiger
Lage. Die feinen Samen keimen nur bei Temperaturen unter 12 °C. Bei Aussaat März/April kann man im Sommer ernten. Für die bevorzugte Winterkultur aber wird im August/September ausgesät, im Gewächshaus auch noch später. Früher war eine flache Direktsaat üblich, breitwürfig oder in Reihen mit 15-20 cm Abstand. Wie beim Feldsalat wird aber heute gerne in
Multitopfplatten vorgezogen und später im Abstand von 15 x 15 cm ausgepflanzt.

Dadurch kann sich jedes einzelne Pflänzchen optimal entwickeln. Schon nach wenigen Wochen kann man laufend frische Blätter abzwicken. Während eines Winters ist ein zwei- bis dreimaliger Schnitt möglich, nicht tiefer als 1 cm über dem Boden. In Frühbeet oder Gewächshaus ist mit rascherem Wachstum zu rechnen. Auch bei Sommerkultur darf bis zur Blüte mehrfach geerntet werden. Selbst mit den Blütchen können die Blätter weiter verzehrt werden und wirken besonders dekorativ. Eine Gabe Reifkompost fördert das Wachstum. Damit die Laubhorste nicht einfrieren, kann man sie vor dem Winter mit Vlies, Reisig o.Ä. abdecken.

 

ERNTE UND VERWENDUNG: Mit seinem milden, frisch-säuerlichen Geschmack
eignet sich Winterportulak vor allem für Salate und andere Rohkostgerichte. Er kann aber auch für Suppen oder Eintöpfe kurz mitgegart werden. Im Kühlschrank bis zu eine Woche haltbar. Wertvoll ist das Kraut wegen seines
hohen Gehalts an Vitamin C und Mineralstoffen und der für den Winter geringen Nitratbelastung. Es wirkt u. a. magen- und darmanregend.

 

Robert Sulzberger

Bienenpflanze: Eselsdistel

(Die Eselsdistel (Onopordum acanthium) ist eine prächtige, aber auch stachelige Schönheit. In einem Naturgarten darf sie nicht fehlen. Sie stammt aus submediterranen, kontinentalen Gebieten in Europa, Westasien und Russland. )

 

BESCHREIBUNG, STANDORT: Die Eselsdistel ist eine zweijährige Pflanze. Sie
bildet im ersten Jahr eine Rosette. Im zweiten Jahr kann sie die stattliche Größe von 2-3 m erreichen und ist damit nicht zu übersehen. Am besten für das Wachstum sind lehmige, durchlässige Böden und ein sonniger, etwas windgeschützter Standort. Die langen Blätter sind eiförmig, kurz gezähnt
oder fiederteilig, wellig, silbriggrau mit dicken Rippen und Adern, an deren Rändern spitze Dornen sitzen. Die purpurvioletten Blüten sitzen meist am Stängelende. Blütezeit ist von Juli bis September. Die Samenstände sind wertvolle Nahrung für Vögel.

 

ÖKOLOGISCHE BETRACHTUNG: Eine Pflanze dieser Größe benötigt Standfestigkeit. Die Pfahlwurzel der Eselsdistel gräbt sich 1 m tief ein und erhält so auch an trockenen Standorten ausreichend Wasser. Außerdem lockert sie dadurch den Boden. Die Eselsdistel ist eine typische Ruderalpflanze, die an Wegrändern, Schuttplätzen, Feldern oder Trockenwiesen zu finden ist. Da sie stark bekämpft wurde, finden wir
sie heute nicht mehr häufig in der freien Natur.

 

POLLEN- UND NEKTARBEDEUTUNG: Viele Insektenarten lieben Disteln. Als
Heilpflanze bietet sie wertvollen Pollen und Nektar. Nicht nur Honigbienen, auch Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Wespen und Schwebfliegen sind eifrige Blütenbesucher. Der Nektar- und Pollenwert beträgt jeweils 2 auf einer Skala von 1 bis 4. Die Pollenhöschenfarbe ist weißgelb.

 

VERWENDUNG: Für die Küche wäre sie einsetzbar, wenn wie bei Artischocken, der Blütenboden als Gemüse etc. verwendet wird. Selbst Stiele ohne Dornen schmecken gekocht. Der Samen enthält 25 % sehr wertvolles Öl.

 

HEILWIRKUNG FÜR DEN MENSCHEN: Die Eselsdistel ist sowohl eine Zier- wie
auch eine Heilpflanze. Sie wurde früher in der Volksmedizin eingesetzt. Heute wird sie in der anthroposophischen Medizin bei Leber-Galle-Problemen, Schlaf- oder vegetativen Herzrhythmusstörungen verwendet. Aus den Blütenblättern lässt sich mit 1 TL getrockneter Blüten ein bekömmlicher und nicht bitterer Tee für Leber und Galle selbst herstellen.

 

Ulrike Windsperger